Was die Leuchtmasse über eine Rolex verrät
Unten auf dem Zifferblatt vieler älterer Rolex steht unter der Sechs ein kleines T, oft zweimal: links und rechts von „Swiss“. Kaum jemand achtet darauf, wenn er seine Uhr trägt. Für einen Uhrmacher ist es zu Recht eine der ersten Stellen, auf die er schaut, denn das T verrät, welche Leuchtmasse auf dem Zifferblatt sitzt, und damit auch, ob Zifferblatt und Zeiger noch zueinander und zum Alter der Uhr passen.


Radium bis Anfang der 1960er-Jahre
Die ersten Leuchtmassen auf Uhren enthielten Radium. Es leuchtete ohne vorheriges Licht, war aber stark radioaktiv, und die Gefahr für die Menschen, die es in den Fabriken auftrugen, war spätestens seit den 1920er-Jahren bekannt.2 Verwendet wurde es trotzdem noch jahrzehntelang. Bei Rolex endete diese Zeit Anfang der 1960er-Jahre.24
Wenn Sie eine Uhr aus dieser Zeit besitzen: Lassen Sie das Gehäuse geschlossen und öffnen Sie es nicht selbst.
Tritium und das kleine T
1963 stellte Rolex auf Tritium um.23 Auch Tritium ist radioaktiv, aber deutlich schwächer als Radium. Weil die Hersteller die Strahlung kennzeichneten, stehen auf den Zifferblättern dieser Zeit Aufdrucke wie „T SWISS T“ oder „SWISS - T < 25“ unter der Sechs.234 Das T bedeutet Tritium. In der Übergangszeit 1963 und 1964 gab es auch Zifferblätter, die bereits Tritium trugen, aber nur mit „Swiss“ beschriftet waren.3
Tritium hat eine Halbwertszeit von gut zwölf Jahren.2 Seine Leuchtkraft lässt also mit jedem Jahrzehnt deutlich nach, und nach einigen Jahrzehnten glimmt es meist nur noch schwach oder gar nicht mehr. Mit dem Alter verändert sich auch die Farbe: Aus Weiß wird Creme, Gelb oder ein helles Braun.2 Bei Sammlern ist diese Patina sehr gesucht. Echte Patina ist nie ganz gleichmäßig, jeder Leuchtpunkt altert ein wenig anders.
Luminova und die Aufschrift „Swiss“
Ende der 1990er-Jahre verzichtete Rolex auf radioaktive Leuchtmassen. Ab 1998 kam Luminova zum Einsatz, ein Material des japanischen Herstellers Nemoto, das Licht speichert und später wieder abgibt, und um das Jahr 2000 folgte Super-LumiNova, eine in der Schweiz vertriebene Variante.25 Zifferblätter aus der kurzen Übergangszeit tragen oft nur „SWISS“, spätere „SWISS MADE“.6
Die Jahresangaben schwanken je nach Quelle um ein bis zwei Jahre, und es gibt Ausnahmen. Der Händler Luxury Bazaar beschreibt Zifferblätter aus den späten 1990er-Jahren, die noch das T tragen, aber bereits die neue Leuchtmasse enthalten.6 Das T allein ist also kein Beweis.
Chromalight seit 2008
2008 stellte Rolex eine eigene Leuchtmasse vor: Chromalight. Sie erschien zuerst auf der Deepsea, später auf der Submariner Date und weiteren Sportmodellen.1 Bei Tageslicht ist sie weiß, im Dunkeln leuchtet sie blau statt grün, und laut Rolex hält das Leuchten mehr als acht Stunden an.19 Eine Rolex, die im Dunkeln blau leuchtet, ist also in aller Regel nach 2008 entstanden oder hat später neue Teile bekommen.
Wenn Zeiger und Zifferblatt nicht zusammenpassen
Hier wird die Leuchtmasse für die Bewertung wichtig. Bei Revisionen wurden Zifferblätter mit Tritium oft gegen neue mit Luminova ausgetauscht, ein sogenanntes Service-Zifferblatt.7 Das ist ein echtes Rolex-Teil, kein Fehler und keine Fälschung. Für Sammler älterer Uhren ist es trotzdem ein deutlicher Verlust, weil das originale Zifferblatt in der Regel nicht zurückkommt.7
Oft passen auch die Zeiger nicht mehr. Eine Uhr mit cremefarbenen Tritium-Indizes und schneeweißen, frisch leuchtenden Zeigern erzählt eine Geschichte, die sich an vielen älteren Sportuhren ablesen lässt: Irgendwann, häufig bei einer Revision, wurden die Zeiger ersetzt, während das Zifferblatt bleiben durfte, wie es war.8 Unsere Uhrmacher vergleichen deshalb Indizes, Zeiger und, wo vorhanden, den Leuchtpunkt der Lünette miteinander. Passt die Alterung zusammen, und passt der Aufdruck unter der Sechs zum Baujahr der Uhr? Ersetzte Zeiger erkennen wir meist zuerst an der falschen Farbe, die nicht zum übrigen Zustand der Uhr passt.
Ein Service-Zifferblatt verrät sich oft schon an der Schrift. Wenn eine Submariner aus den 1970er-Jahren unter der Sechs nur „SWISS“ oder „SWISS MADE“ trägt und ihre Indizes strahlend weiß sind, spricht vieles dafür, dass das Zifferblatt bei einer Revision ersetzt wurde.7 Eine Gewissheit ist das nicht, aber ein Grund, genauer hinzusehen.
Etwas anderes ist ein nachgedrucktes Zifferblatt, im Handel Redial genannt. Dabei wurde das Zifferblatt außerhalb des Herstellers neu bedruckt. Solche Zifferblätter gelten nicht als original und mindern den Wert stark.7
Ein einfacher Test zu Hause
Legen Sie Ihre Uhr ein paar Minuten unter eine helle Lampe oder ans Fenster und gehen Sie dann in einen dunklen Raum. Luminova, Super-LumiNova und Chromalight leuchten danach deutlich, Tritium aus den 1960er- bis 1990er-Jahren dagegen meist nur noch schwach oder gar nicht mehr, weil seine Leuchtkraft mit den Jahren nachgelassen hat.2
Interessant wird es bei einer älteren Uhr, wenn die Teile unterschiedlich reagieren. Leuchten die Zeiger hell und die Indizes kaum, oder umgekehrt, wurde wahrscheinlich eines davon irgendwann ersetzt. Das allein sagt noch nichts über den Wert, und es kann gute Gründe für einen Austausch gegeben haben. Für eine Bewertung ist es aber eine der ersten Fragen, die wir stellen.
Was Sie als Besitzer tun können
Wenn Ihre Uhr eine ältere Leuchtmasse trägt, lassen Sie bei einer Revision schriftlich festhalten, dass Zifferblatt und Zeiger nicht ohne Rücksprache ersetzt werden und ausgetauschte Teile an Sie zurückgehen. Ob die Werkstatt dem nachkommt, ist nicht garantiert, aber die Bitte gehört auf den Auftrag. Mehr dazu im Beitrag Lohnt sich eine Revision vor dem Verkauf?.
Bewahren Sie getauschte Originalteile auf, auch wenn sie unscheinbar aussehen. Ein altes Zifferblatt in einem Briefumschlag kann bei einer Bewertung mehr ausmachen als jede Politur.
Und wenn Sie wissen wollen, aus welchem Jahr Ihre Rolex ungefähr stammt, hilft unsere Baujahr-Abfrage. Ob Zifferblatt und Zeiger zu diesem Jahr passen, sehen sich unsere Uhrmacher bei der kostenlosen Bewertung an. Dafür reicht zunächst ein scharfes Foto des Zifferblatts bei Tageslicht, auf dem die Schrift unter der Sechs zu lesen ist.
Quellen
Die hochgestellten Ziffern im Text verweisen auf diese Quellen. Stand: Oktober 2026.
- Rolex: Chromalight display. rolex.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Bob's Watches: The evolution of Rolex luminous material. bobswatches.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Rolex Passion Report: Tritium-Zifferblätter und ihre Aufdrucke. rolexpassionreport.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Beckertime: Why my Rolex glows, Rolex luminescence explained, Teil 2. beckertime.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Watchchest: From radium to Chromalight. watchchest.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Luxury Bazaar: „T Swiss Made T“ doesn't always mean a Rolex dial has tritium. luxurybazaar.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Bob's Watches: Here's why servicing your Rolex could lower its value. bobswatches.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Sotheby's: Important Watches, Genf 2019, Los 119. sothebys.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle
- Rolex: Explorer II, Ausstattung. rolex.com (öffnet in neuem Fenster) zur Textstelle

Fachlich geprüft von Leon Halbgewachs
Leon Halbgewachs hat die FCW GmbH gegründet, zu der Zeigerhaus gehört, und ist seit über zehn Jahren im Uhrenhandel tätig. Er liest jeden Beitrag im Journal vor der Veröffentlichung und prüft ihn fachlich.
Stand Oktober 2026



